FOTOGRAFIE



Thy Brothers’ Keeper

(Deines Bruders Hüter)

Fotoausstellung mit 25 Fotografen aus Amerika, Spanien, Israel, Kuba, China und Südafrika, die vieldimensionale Sachverhalte in Bezug auf globale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Rassenkonflikte, ethnische Konflikte, Jugendgefährdung, Klassen und Religionen, Sexhandel, Ausbildung, politische und persönliche Freiheit untersucht.





Alexandra Boulat
November 2001, Afghanistan
Afghanische Frauen und Kinder, die die Grenzlinie überschreiten als sie von Kunduz fliehen, das immer noch unter der Kontrolle der Taliban ist, um Zuflucht bei der Northern Alliance zu suchen.


Andres Carrasco
Mai 2001, Strand von Bolonia, Tarifa
Die Ertrunkenen
Die folgenden Fotografien wurden am Strand von Bolonia, Tarifa gemacht. An diesem Tag ertranken 12 Marokkaner. Diese illegalen Einwanderer versuchen mit Booten an den extrem felsigen und gefährlichen Stränden zu landen.
Diese Gegend ist mit dem Auto nicht erreichbar und gibt den Marokkanern eine bessere Chance, nicht von den Behörden geschnappt zu werden.
Unglücklicherweise krachte ihr Boote in einen von diesen Felsen, der ihre gefährliche Landung erfolgreich machen sollte.
Da sie nicht schwimmen können, ertranken die Marokkaner.
Dies war für mich einer der schwierigsten Talge als Fotograf.


Guy Tillem
Johannesburg, Südafrika Dezember 2002:
Mai-mai –Miliz beim Training des sofortigen Aufmarsches mit der Armée Populaire du Congo, eines militärischen Flügels der Rally for Congolese Democracy-Kisangani-Movement of Liberation, nahe bei Beni, im Osten des Kongo.




Noel Jabbour
November 1998, Palästina
Eine palästinensische Frau versucht einen israelischen Soldaten zu stoppen, der Munition auf steinewerfende Jugendliche abschiessen will.
Die Zusammenstösse begannen, als die Soldaten auf eine Gruppe von Palästinensern zugingen, die eine Planierraupe daran hindern wollte, eine Zugangsstrasse nur für die ausschließliche Nutzung für jüdische Siedler zu pflastern.


Sahron Paz
2004, Jerusalem, Israel
Die Bilder sind Auszüge aus dem Video „Minor Protest“.


Heidi Bradner
2000, Tschetschenien, Russland
Eine ältere russische Frau, eine Bewohnerin von Grozny, liegt tot in den schneebedeckten Straßen von Grozny, nachdem sie von einer Artillerieattacke getroffen wurde.
Viele russische Bewohner haben keine Verwandten in Tschetschenien, zu denen sie flüchten könnten um die Stadt während der Bombardierung zu verlassen.


Peter Essick
März 2001, USA
Ein Alligator wird im Savannah River Ecology Labor auf Cesium137-Werte getestet, die in den Muskeln nachweisbar sind.


Geert van Kesteren
August 2003, Tikrit, Irak
Den Elefanten-Marsch“ nennen es US-Soldaten, wenn verhaftete Männer zu einem improvisierten Gefängnis zu ihrer Basis zu Fuß gehen.
Die US-Army ist auf der Jagd nach Anhängern des Terroristen Baath, Waffen und Saddam Hussein.


Fernando Moleres
Umzinto, Natal, Südafrika
Zuckerrohrplantagen in Südafrika. Während der Zuckerrohrernte stellen andere Arbeiter, die einen Minimallohn erhalten, Kinder als Subunternehmer ein, um ihnen zu helfen, die tägliche Quote Zuckerrohr zu schneiden.


Lucian Perkins
Juli 2003, Tikrit, Irak
Ein kleines Mädchen, das in Angst losstürzt als US-Truppen eine ihrer Razzien in Tikrit führen während diese nach Baath-Anhängern suchen.
US-Truppen begannen diese Taktik zu wählen, als die bewaffneten Angriffe auf sie zunahmen.
Viele Iraker glauben, dass diese Razzien das Misstrauen zwischen den Irakern und den US-Kräften noch verstärken werden, während die US-Kräfte glauben, dass die Razzien die Aufstände vermindern können.


April 2003, Basra, Irak
Zainab Hamed, 9 Jahre alt, verlor ihre Beine und 17 Familienmitglieder als die Koalitionskräfte das Haus ihrer Familie am dritten Tag des Kriegs bombardierten.
Über die Zahl der verletzten und getöteten irakischen Zivilisten währen und nach des Krieges wurde ein kontroverser Streit geführt. Viele glauben dass die Medien viel zu wenig berichteten.


John Stanmeyer
April 2003, Karachi, Pakistan
Hinter Gittern, hinausschauend, ohne Betten zum Schlafen schmachten Kinder, manchmal nur sieben Jahre alt, im Edhi Village für geistig Kranke, außerhalb von Karachi. In Pakistan hörte die Regierung auf, sich um geistig Kranke zu kümmern. Private Spender müssen sich um ihre Behandlung kümmern.
Mehr als tausend geistig kranke Patienten leben zusammengepfercht in der privat gegründeten Karachi Kommune, Edhi Village genannt, die von dem prominenten Sozialarbeiter Abdus Stattar Edhi geführt wird.
Eiserne Absperrungen sperren die Insassen ein, manche von ihnen sind sehr wenig bekleidet, und schlagen ihre Köpfe an die Wände in ihren dunklen Zellen.
„Unser Heim verkommt zu einer Müllhalde, für Menschen die geistig Kranke als den Dreck unserer Gesellschaft betrachten.“ sagt Ghazanfar Karim, der überlastete Aufseher.


INFO



Die Ausstellung „Thy Brothers' Keeper“ wurde 2006 vom Alternative Museum, N.Y. unter Leitung von Ge-no Rodriguez produziert und zeigt 140 Fotografien zu den Themen Diskriminierung, Rassismus, Unter-drückung, Krieg und Umweltkatastrophen.

Die Fotografen und Fotografinnen, die sich in dieser Ausstellung zu jeweils einem Thema äußern, verbin-det ein hoher moralischer Anspruch und der gemeinsame Aufruf, dass wir uns alle im biblischen Sinne als „unseres Bruders Hüter“ verstehen. Sie glauben daran, dass ihre Bilder in dieser Welt etwas bewegen können.

Vertreten sind:
Nina Berman, David Binder, Alexandra Boulat, Heidi Bradner, Raul Cañibano, Peter Essick, Philip Jones Griffiths, Carol Guzy, Noel Jabbour, Fanie Jason, Geert van Kesteren, Gary Knight, Andrew Lichtenstein, Fernando Moleres, Humberto Mayol, Ilan Mizrahi, Encarna Mozas, Sharon Paz, Lucian Perkins, Andres Carrasco Ragel, Stephen Shames, John Stanmeyer, Guy Tillim, Wang Yishu und Vida Yovanovich.
Viele der 25 Fotografen und Fotografinnen haben internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den Pulitzer Preis.

Kuratiert wurde die Austellung von Geno Rodriguez, Director des Alternative Museum, in Zusammenarbeit mit Diana Edkins, Director of Exhibitions, Aperture Foundation (NYC), Kathy Grundlingh, Kurator der Mi-chael Stevenson Galleries (Capetown), Wu Jiabao, Direktor von Fotosoft (Taiwan), Katherine Slusher, unabhängige Kuratorin (Barcelona) und Nissan N. Perez, Kurator des Israel Museum (Jerusalem).
Die Präsentation von „Thy Brothers' Keeper“ in Europa wird betreut von Reinhard Schultz



Einführung: Der Zustand der Menschheit: die einzelnen Bilder zu einer Gesamtsicht verknüpfen


Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, einem Jahrhundert das mit Fortschritten für die Menschheit in der ganzen Welt gekennzeichnet sein sollte, leben wir vielmehr in einem Jahrhundert, das zunehmend durch religiösen, wirtschaftlichen und ethnischen Unfrieden gespalten wird.

Es ist auch eine Welt, in der zu viele ihrer Bewohner in bitterer Armut, Hunger und Isolation leben, wäh-rend ethnische und eingeborene Bevölkerungen unter der Aberkennung der bürgerlichen Rechte leiden, durch unsägliche Gewalt und Folter ohne Verantwortlichkeit- oft von ihren eigenen Regierungen verur-sacht.

Zur selben Zeit sterben große Bevölkerungsteile an Epidemien, für die es –trotz medizinischer Fortschritte- keine Heilung gibt, Epidemien, die man genügend vermeiden können hätte, wenn die wohlhabenden Nationen der Welt sich darum gekümmert hätten.

Diese Konsequenzen sind umso tragischer, da die grundsätzlichen Lehren der globalen Menschenrechte unerfüllt blieben, ein Verrat, der nicht nur die wohlhabenden Nationen beeinflusst, sondern verheerende Konsequenzen für die ärmeren Nationen hat, die unfähig sind, irgend einen Fortschritt aus den wirtschaftlichen, technischen und medizinischen Fortschritten des 21. Jahrhunderts zu erhalten.

Thy Brothers’ Keeper zeigt eine Geschichte verschiedener Völker, die unerträgliche Bedingungen, die die Grundprinzipien der Menschlichkeit verletzen, erleiden mussten und noch immer erleiden müssen.

Diese Ausstellung zeigt uns durch Fotografien, dass wir alle Bürger dieser Welt, nicht nur eines Landes, eines Staates oder einer Nachbarschaft sind, und die Hoffnung besteht, dass sie uns alle bestärkt, größe-re Verantwortung zu übernehmen um zu sichern, dass die Bedingungen unter denen unsere Mitbürger leben auf allen Ebenen menschlich sind und uns daran erinnern, dass wir alle miteinander verbunden sind, in biblischen Worten alle „unsers Bruders Hüter sind“

Die Fotografien in Thy Brothers’ Keeper berichten über die komplexen multidimensionalen Sachverhalte, die in Zusammenhang mit globaler Gerechtigkeit und Menschenrechtsübertretungen stehen.
Warum ist die Frage nach Moral bei Folter heutzutage ein Thema?
Was sind die politischen Beweggründe hinter den vielen Gräueltaten, die täglich gegenüber Zivilisten be-gangen werden?
Wer profitiert von an vielen Kriegen für den Frieden?
Sind wir verantwortlich für die Handlungen unserer Regierung?

Wo beginnt unser Bild von uns zu verschwimmen, wer wir sind dem gegenüber wie wir uns verhalten? und ergreift Gott Partei, da religiöser Extremismus uns ins Mittelalter zurückbefördert?

Die Bilder in Thy Brothers’ Keeper werden, so hoffen wir, den Betrachtern Gründe liefern, innezuhalten und über die Gründe und Effekte nachzudenken, die solch menschliches Elend hervorrufen.

Auf eine Art sind wir alle schuld an dieser Ungerechtigkeit, obwohl die meisten von uns nicht wissen wie und warum, und wenn wir es wissen, sind wir nicht gewillt, uns unseren Part daran einzugestehen, aus Angst, dass wir Antworten finden werden, die unseren politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Inte-ressen entgegenstehen werden.

Obwohl es bequemer ist, sich auf einfache Antworten zu berufen, können wir uns nicht den grundsätzli-chen Fragen verschließen, die durch diese Ausstellung aufgeworfen werden. Auf Lange Sicht können wir gegenüber dem Leiden der anderen, ihren Nachteilen und der Abererkennung der Bürgerrechte nicht gleichgültig bleiben. Zorn wird schließlich in uns aufkommen, wie wir es nicht erwartet hätten

Die Ereignisse des 11. September sind nicht in einem Vakuum aufgetreten.
Ob wir es mögen oder nicht, für die Täter dieses Angriffs gab es Gründe dies zu tun.
Die Männer und Frauen, die diese Bilder gemacht haben, sind mitfühlende Individuen.
Sie haben sich der globalen Gerechtigkeit und dem Streben nach Glück verpflichtet
Wir hoffen, dass sich die Zuschauer durch ihre kraftvollen Bilder mehr und ernsthaft an der Entwicklung von gerechten und friedlichen Gesellschaften beteiligen werden.
Die meisten dieser Fotografen haben internationale Anerkennung und Preise sowohl von bedeutenden Menschenrechtsorganisationen als auch von anerkannten Kunstmuseen und kulturellen Instituten weltweit erhalten.

Viele sind über ihren beruflichen Auftrag hinaus gegangen und haben sich der Sache hingegeben, indem sie persönliche Zeit und Kraft den Gemeinschaften widmeten, die sie fotografiert haben.

Die Intention, diese zum Nachdenken anregenden Bilder zu zeigen, mit den Fragen, die diese im Zusam-menhang mit Kunst, nicht aber mit Politik, aufwerfen, ist es, neue Wege der Diskussion in Kunst und Erziehung zu eröffnen und ebenso ein Gefühl der persönlichen Verantwortung dadurch zu erwecken, dass der Wunsch entsteht, sich mehr für Gleichheit und Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen.

Thy Brothers’ Keeper kann nicht die Antworten auf die vielen Fragen geben, die in dieser Ausstellung aufgeworfen werden. Die wichtigsten Ziele des Projekts sind es, den Betrachter zu veranlassen, über sein eigenes Leben hinaus, sich nicht nur als Bürger eines Staates zu sehen, sondern sich vielmehr der ganzen Menschheit zugehörig zu fühlen.

Thy Brothers’ Keeper bittet den Betrachter, den Fotografen als Partner beiseite zu stehen in der grundle-genden und dringenden Notwendigkeit die Menschenrechte weltweit voranzubringen und zu beweisen, dass Kunst eine wirkungsvolle Stimme sein kann, um Konflikte zu lösen und den Frieden zu fördern.


Geno Rodriguez
Director, The Alternative Museum
New York City, 2006.



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