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ATOS Trio: Wien
Annette von Hehn, Violine
Stefan Heinemeyer, Violoncello
Thomas Hoppe, Klavier

18.02.2024
19 Uhr
Franz-Anton-Hoffmeister-Saal
Kulturzentrum Zehntscheuer

ATOS, das ist „...one of the elite piano trios playing before the public today.“
(The Washington Post, USA)

Thomas Hoppe, Annette von Hehn und Stefan Heinemeyer erobern gemeinsam seit 2003 weltweit die großen Konzertreihen und Festival-Podien. Das Klaviertrio zählt heutzutage zu den ganz wenigen seiner Art, die rund um den Globus konzertieren. Vom Kalichstein-Laredo-Robinson International Trio Award, dem maßgeblichen US-amerikanischen Preis für die Gattung, und vom Melbourne Competition mit zahlreichen Sonderpreisen bis hin zur exklusiven Auszeichnung als New Generation Artists durch die BBC: Das ATOS Trio wird schon in seinen Anfangsjahren hoch auf die Podeste gehoben. Und von der Carnegie Hall New York über die großen Festivals bis nach Ozeanien: ATOS wird vom Publikum bejubelt und von der Kritik gefeiert.

Das ATOS Trio geht in Ausdruck und Dynamik an die Grenzen. Und mit seinem unerhört warmen, homogenen, singulär expressiven Trio-Klang oft weit über das Gewohnte hinaus – und bleibt doch immer stilsicher: Sie waren Österreicher bei Haydn, Tschechen bei Dvořák und Russen bei Schostakowitsch.“
(O Estado de Sao Paulo, Brasilien)

Die vollkommene Hingabe an die Musik, die Spielfreude, die fast magisch differenzierte Interpretation setzen Maßstäbe: auf Festivals wie City of London, Cheltenham, Budapest Spring und Bemus Festival Belgrad. In der Wigmore Hall London, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Teatro Colón in Buenos Aires und der Berliner Philharmonie. Beim Schleswig-Holstein Musik Festival, dem Rheingau Musik Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Und auf begeistert aufgenommenen CD-Einspielungen von Klassik und Romantik (Brahms, Schubert, Schumann, Mendelssohn), auf der Aufhorchen lassenden Erforschung Heinrich von Herzogenbergs und Josef Suks oder auch auf der Feier französischer, russischer, tschechischer und ‚Wiener Musik‘ (The French Album, The Russian Album, The Czech Album, The Vienna Album). Und als jüngster künstlerischer Triumph: die beim Label der Londoner Wigmore Hall erschienenen zwei Doppelalben mit allen Klaviertrios von Beethoven, aufgenommen in den vielen Wigmore-Konzerten des ATOS Trios. Da urteilt das renommierte BBC Magazine sehr treffend: „extremely fine“. „Drei Stimmen, ein Klang: Es ist diese absolut perfekte Einheit in Phrasierung, Klang, Gefühl und Interpretation, die das ATOS Trio von allen anderen unterscheidet.“
(Detroit Free Press, USA)

Wien um die Jahrhundertwende: Es ist die Zeit der großen Umbrüche, des Niedergangs und der Neuerungen. Dies gilt für den gesamtgesellschaftlichen Wandel, aber noch mehr für den Mikrokosmos der Intellektuellen, der kreativen Figuren in Musik, Malerei, Literatur und Philosophie. Das Etablierte wird demontiert, zerlegt und neu zusammengesetzt, die tradierte Ordnung weicht einem neuen Lebensgefühl, einem neuen Weltverständnis. Der politische Diskurs ist spannungsgeladen, der Erste Weltkrieg wirft seine Schatten voraus. Gleichzeitig gilt die Wiener Moderne als vielschichtiges Sammelbecken mitteleuropäischer Kulturen. Kurzum: Wien um 1900 ist ein Schmelztiegel avantgardistischer Suche, in welchem sowohl Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) als auch Ernst Křenek (1900–1991) aufwachsen. Und rund 100 Jahre früher wandelt Franz Schubert (1797–1828) durch die Straßen dieser pulsierenden Donaumetropole. Keine Frage, Wien ist mehr als bloße Kulisse – Wien ist Lebensgefühl, Inspirationsquelle und Möglichkeitsraum für neue Ausdruckswelten.

Neben Wien eint die drei Komponisten des heutigen Programms noch ein weiteres Detail: die Zuschreibung als Genie. Während Korngold ob seines Images als Wunderkind gerne als „Mozart des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird, litt Křenek eher unter dem Druck, nach seiner als genial deklarierten Oper „Johnny spielt auf“ ähnlich Großes schreiben zu sollen. Und Schubert wiederum fand Bedeutung als Komponist hauptsächlich nach seinem Tod und wird heute als verkanntes Genie rezipiert. Doch von vorne.

Der Begriff des Wunderkinds wird in der Musikgeschichte nur zu gerne inflationär gebraucht, und doch kann man Erich Wolfgang Korngold getrost als ein solches bezeichnen. Bereits als Zehnjähriger bei einem persönlichen Vorspiel eigener Stücke von Gustav Mahler als Genie ausgerufen, beginnt seine Karriere früh und vielversprechend. Mit 13 Jahren tritt er an die Öffentlichkeit, und in diesem Alter stellt er auch das Klaviertrio in D-Dur op. 1 fertig. Es ist das Werk eines reifen Komponisten, facettenreich und überbordend vor fantasievollen Einfällen und intelligenten musikalischen Ideen mit einer unbändigen Lust an der Musik und am Ausprobieren. Der Kopfsatz erinnert an die Arabesken eines Strauss, während Korngold durch Tempowechsel einen sprunghaften und extravaganten Charakter verleiht. Übermütig ist auch der als Scherzo überschriebene zweite Satz, der insbesondere im Trio die tonalen Grenzen verschwimmen lässt. Der dritte Satz indes besticht durch eine entrückende Sanglichkeit, die Ihresgleichen sucht, und der Finalsatz mündet schließlich – ganz wienerisch – in einen schnellen Walzer.

Korngolds Klaviertrio verblüfft durch überraschende Wendungen und das Ausloten der tonalen Grenzen, ohne dabei ins Atonale zu rutschen. Kein Takt, keine Note vorhersehbar. Eines ist dieses Frühwerk auf keinen Fall: langweilig!

Wie auch schon Korngold liebäugelt Ernst Křenek mit dem Verlassen der Tonalität – und wendet sich später Schönbergs Zwölftontechnik zu. Seine Triophantasie op. 63 jedoch fällt in die sogenannte neoromantische Phase des Komponisten, die aus einer intensiven Beschäftigung mit den Werken Franz Schuberts resultierte. Das einsätzige Werk besteht aus einer langsamen, melancholischen Einleitung und einem Allegro-Teil und orientiert sich in der Klangsprache am französischen Neoklassizismus. Einzig die leicht dissonantere Harmonik deutet darauf hin, dass es im 20. Jahrhundert komponiert wurde. Křenek-Freund und Pianist der Uraufführung Artur Schnabel teilte die Bewunderung für Schubert und war überzeugt: Kein Komponist sei „näher an Gott als eben Schubert“.

Franz Schuberts Trio Nr. 1 in B-Dur ist ein Spätwerk und wurde erst im Todesjahr des Komponisten fertiggestellt. Kompositorisch bewegt sich das Klaviertrio zwischen einer Art Monumental-Klassik und einer lyrischen Klangsprache der Romantik. Heroischer Duktus kontrastiert dabei mit gefühlsbetonten Passagen, und diese unaufgelösten Gegensätze ziehen sich durch das gesamte Werk. Wechselnde Rhythmen und ein breites Spektrum an Klangfarben prägen außerdem das Klaviertrio – ein Werk, das scheinbar mühelos zwischen naiver Heiterkeit und melodischer Lyrik changiert und das Finale mit wienerischem Charme beschließt.

Programm:

Erich Wolfgang Korngold (1897–1957)
Trio D-Dur op. 1
I. Allegro non troppo, con espressione
II. Scherzo. Allegro
III.Larghetto
IV.Finale. Allegro molto e energico

Ernst Křenek (1900 –1991)
Triofantasie op. 63
Andante sostenuto

Pause

Franz Schubert (1797 –1828)
Trio B-Dur op. 99
1. Allegro moderato
2. Andante un poco mosso
3. Scherzo. Allegro – Trio
4. Rondo. Allegro vivace

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Mail: post@kultur-rottenburg.de

 

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